Brünn

Zuletzt aktualisiert: 20.02.2026 Lesezeit: 5 Minute(n)

Brünn ist für die gelungene Verbindung aus Geschichte, Moderne und urbaner Lebendigkeit bekannt. Besichtigen Sie historische Gebäude wie die Arnold Villa und erleben Sie im direkten Kontrast die Villa Tugendhat, die zum UNESCO-Welterbe zählt. Die Stadt nahe der österreichischen Grenze bietet vielfältige Eindrücke und sollte keinesfalls unterschätzt werden.

Burg Spielberg

Die Burg Spielberg zählt zu den bedeutendsten Wahrzeichen Brünns und befindet sich auf dem gleichnamigen Gipfel des Spielberg-Hügels.

Geschichtlicher Hintergrund

Die Burg wurde ursprünglich im 13. Jahrhundert von Přemysl Otakar II. als Schutzanlage für den tschechischen Staat und die Stadt Brünn errichtet. Im Laufe der Zeit änderte sich ihre Funktion: 1783 wurde beschlossen, die Anlage als Zivilgefängnis für Schwerstverbrecher und politische Gefangene aus den Ländern der gesamten Habsburgermonarchie zu nutzen. Die Burg Spielberg galt als eines der härtesten Gefängnisse Europas und beherbergte unter anderem bekannte Insassen wie die italienischen Carbonari oder den berühmten Räuber Václav Babinský. Im Jahr 1855 wurde das Gefängnis aufgelöst und die Anlage diente anschließend als Kaserne, bis sie 1962 zum nationalen Kulturdenkmal erklärt wurde.

Warum ist die Burg auch heute noch interessant?

Neben ihrer historischen Bedeutung bietet die Burg einen eindrucksvollen Ausblick. Der Aussichtspunkt im Eckturm eignet sich besonders für Fotos mit weitem Panorama im Hintergrund. Zudem befindet sich das Museum der Stadt Brünn auf dem Spielberg. Über das Jahr hinweg finden dort zahlreiche Konzerte, Theateraufführungen und Festivals statt. Weitere sehenswerte Bereiche des Areals sind das Glockenspiel mit fünfzehn Glocken, eine barocke Kapelle sowie weitläufige Gewölbegänge, die von mystischen Erzählungen begleitet werden.

Die Arnold Villa und die Villa Tugendhat

Beide Villen besitzen einen besonderen Stellenwert für Brünn. Während die Arnold Villa zur älteren Stadtgeschichte gehört und Brünn bereits seit 1862 prägt, steht die Villa Tugendhat für die Moderne und wurde zwischen 1929 und 1930 erbaut.

Arnold Villa

Die Arnold Villa wurde innerhalb weniger Monate als Teil einer Villenkolonie errichtet, die zu den ältesten in Mitteleuropa zählt. Ihren Namen verdankt sie dem früheren Eigentümer Josef Arnold. Später wurde sie von der Tante von Greta Tugendhat bewohnt, die die Villa gemeinsam mit ihrem Ehemann mit Art-déco-Elementen umgestaltete. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Arnold Villa zudem als Kindergarten genutzt. Nach ihrer Rekonstruktion im Jahr 2024 wurde sie wieder einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Heute kann die Arnold Villa besichtigt werden und dient zugleich als Ort für kulturelle Veranstaltungen.

Villa Tugendhat (UNESCO-Welterbe)

Die Villa Tugendhat basiert auf einem Entwurf des Architekten Ludwig Mies van der Rohe. Sie beeindruckt durch ihre architektonische Klarheit, die Einbindung in die natürliche Umgebung, die offene Raumwirkung sowie durch ihre technische und konstruktive Ausführung. Zudem wurden hochwertige Materialien verwendet, die vor Ort besichtigt werden können. Die Villa gilt als Ikone des modernistischen Wohnens und ist eines der bedeutendsten Beispiele moderner Architektur in der Tschechischen Republik. Daher wurde sie in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Zwischen 2010 und 2012 wurde die Villa umfassend renoviert und restauriert, sodass Gebäude und Garten weitgehend in den Ursprungszustand zurückversetzt werden konnten. Heute entspricht sie wieder weitgehend dem Erscheinungsbild von 1930. Für den Besuch können verschiedene Touren gebucht werden; zusätzlich stehen neben Führungen auch virtuelle Rundgänge zur Verfügung.

Wasserspeicher Žlutý kopec (Vodojemy Žlutý kopec)

Die vier Wasserspeicher stammen aus der Zeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und wurden ohne den Einsatz von Stahl, Holz oder Eisenbeton errichtet. Sie werden mitunter als mysteriöse unterirdische Kathedralen aus den Jahren 1874, 1894 und 1917 bezeichnet und als Gegenstück zur Yerebatan-Zisterne in Istanbul angesehen. Die Anlagen befinden sich unter der Rasenfläche des revitalisierten Parks am Žlutý kopec und versetzen Besucherinnen und Besucher in eine besondere Atmosphäre vergangener Zeiten. Durch das Projekt WatertanksArt werden die Wasserspeicher erneut belebt: Konzerte, Performances, visuelle Shows und ortsspezifische Veranstaltungen finden dort in regelmäßigem Abstand statt. Insbesondere kunstinteressierte Personen finden hier einen außergewöhnlichen Ort zum Verweilen.

Neben der Burg Spielberg, den kontrastreichen Villen und den einzigartigen Wasserspeichern gibt es in Brünn zahlreiche weitere geschichtsträchtige Gebäude.

Altes Rathaus

Das Alte Rathaus ist der älteste Profan- bzw. Zivilbau in Brünn und befindet sich im Zentrum der Stadt. Es beherbergt die Hauptsymbole dreier bekannter Brünner Legenden: den Brünner Drachen, das Wagenrad und das krumme Türmchen am Portal. Darüber hinaus befinden sich dort ein Informationszentrum, historische Säle sowie zwei Dauerausstellungen mit den Titeln „Magister Anton Pilgram“ und „Stilles Heldentum“. Zudem bietet das Alte Rathaus eine schöne Aussicht auf das Stadtzentrum.

Seit 2024 zählt das Alte Rathaus zum nationalen Kulturdenkmal. Es wird heute nicht mehr für Verwaltungszwecke genutzt, sondern dient kulturellen Veranstaltungen. Im Innenhof finden unter anderem Konzerte, Festivals, Theateraufführungen sowie Filmvorführungen statt.

Radnická 8

Im Durchgang des Rathauses können Sie den berühmten Brünner Drachen und das Wagenrad sehen; das krumme Türmchen befindet sich am gotischen Portal. Neben dem Touristeninformationszentrum im Erdgeschoss befindet sich im ersten Stock die Ausstellung „Magister Anton Pilgram“. Ebenfalls sehenswert sind der Kristall- und Freskensaal sowie die geheimnisvolle Schatzkammer. Wenn Sie die Stadt aus der Höhe erleben möchten, können Sie zudem die 173 Stufen zum 63 Meter hohen Turm hinaufsteigen.

Radnická 10

Im ersten Stock befindet sich außerdem die zweite Ausstellung „Stilles Heldentum“, die über das Café Paměti národa zugänglich ist. Die Dauerausstellung führt in das 20. Jahrhundert und erzählt die Geschichten von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen.

Beinhaus der St.-Jakobs-Kirche

Das Beinhaus der St.-Jakobs-Kirche in Brünn gilt als das zweitgrößte Beinhaus Europas und wird nur vom Pariser Beinhaus übertroffen. Schätzungen zufolge wurden hier über 50.000 Menschen beerdigt. Der Friedhof befand sich bereits seit Anfang des 13. Jahrhunderts am heutigen Jakobsplatz. Da er innerhalb der Stadtmauern lag und nicht erweitert werden konnte, wurde ein Austauschsystem eingeführt: Nach zehn bis zwölf Jahren wurde ein Grab geöffnet, die Überreste wurden entnommen und an derselben Stelle eine weitere verstorbene Person beigesetzt. Die Gebeine des ursprünglichen Grabes wurden in unterirdische Anlagen wie Ossarien oder Beinhäuser überführt. Die schnelle Überfüllung dürfte zudem die Ausbreitung von Pest- und Choleraepidemien begünstigt haben. Aus hygienischen Gründen wurde der Friedhof 1784 aufgehoben, die Überreste wurden in die Krypta verlegt, und die Friedhofsmauer wurde abgetragen. Der Platz um die Kirche geriet im Laufe der Zeit zunehmend in Vergessenheit.

Heute ist das Beinhaus ein häufig besuchter Ort und zugleich ein Raum des Gedenkens. Die Besichtigung wird zudem durch Musik des Brünner Komponisten Miloš Štědroň begleitet.

St.-Peter-und-Paul-Kathedrale

Die St.-Peter-und-Paul-Kathedrale blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück.

Geschichtlicher Hintergrund

Die Kathedrale befindet sich auf dem Petrov-Hügel. Ihr Ursprung reicht in das 11. bis 12. Jahrhundert zurück, als zunächst eine romanische Kapelle errichtet und Ende des 12. Jahrhunderts eine Kirche mit Apsis und Krypta gebaut wurde. Im 13. Jahrhundert folgten weitere Veränderungen: Es entstand eine romanische Basilika, deren Überreste erst Anfang des 21. Jahrhunderts entdeckt wurden und heute öffentlich zugänglich sind. Außerdem wurde die Kirche umgebaut und erhielt einen frühgotischen Charakter. Mit der Gründung des Brünner Bistums im Jahr 1777 wurde die Kirche auf dem Petrov-Hügel zur Kathedrale erhoben.

Was kann ich mir ansehen?

Neben der Besichtigung der freigelegten Überreste der romanischen Basilika können Besucherinnen und Besucher auch den Hauptaltar betrachten. Dieser stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist bis heute erhalten. Ebenfalls sehenswert ist die Kanzel an der linken Außenseite der Kirche, die an die Predigttätigkeit von Johannes Kapistran erinnert, der in der zweiten Hälfte des Jahres in Brünn predigte. Um die Kathedrale rankt sich zudem eine bekannte Sage: Die Glocken der Türme läuten täglich pünktlich um 11 Uhr und erinnern an die Legende um General Réduit des Souches. Hintergrund ist die Überlieferung, dass der schwedische General Torstensson angekündigt haben soll, die Belagerung Brünns abzubrechen, falls die Stadt nicht vor dem Läuten der Mittagsglocken eingenommen werde. General Réduit des Souches ließ daraufhin die Glocken eine Stunde früher läuten.

Das Europamaut-Team wünscht Ihnen eine angenehme Reise

Brünn bietet eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten und ist insbesondere für Personen interessant, die sich für Geschichte und Kultur begeistern. Bitte informieren Sie sich rechtzeitig über die geltenden Mautregelungen. Nutzen Sie zudem gerne unseren Routenplaner, um Ihre Reise besser planen zu können und passende Mautprodukte anzeigen zu lassen. Bei Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns jederzeit per E-Mail.

Michelle Albrecht
Hallo, ich bin Michelle und schreibe für mein Leben gern. Als Texterin habe ich meine Leidenschaft zum Beruf gemacht! Natürlich lasse ich meiner Kreativität auch in meinen eigenen Büchern freien Lauf. Seit ich ein halbes Jahr in Australien gelebt habe, ist meine Reiselust noch größer geworden (und ich hätte nie gedacht, dass das noch möglich ist). Umso mehr freue ich mich, meinen Leserinnen und Lesern Tipps für ihre zukünftigen Abenteuer zu geben!